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15. Europäischer Orchideenkongress

Bericht über die Reise zum 15. Europäischen Orchideenkongress vom 12. bis 15.04. 2012 nach Budapest

Schon seit geraumer Zeit plante der „Verein der Orchideenfreunde Zwickau e.V.“ eine Busreise zum 15. Europäischen Orchideenkongress vom 12.bis 15. April 2012 in die ungarische Metropole Budapest. Die Organisation lag in den Händen ihres Mitglieds Helmut Dietel (Oelsnitz). Er gewann mit dem in seiner Heimatstadt angesiedelten Busunternehmen Scheibner-Reisen einen sehr kompetenten Partner. Ein neuer, attraktiver 47-Personen Komfortreisebus (der Firma Setra) mit modernstem technischen und höchstem Sicherheits-Standard stand für die sehr lange Hin- und Rückfahrt, für alle Verbindungen zum Kongressgebäude im Syma Event Centre sowie für weitere Veranstaltungen während des Budapest-Aufenthaltes zur Verfügung. Als aufmerksamer, stets freundlicher, absolut sicher fahrender und ortskundiger Chauffeur bewährte sich an allen vier Tagen Herr Christian Riedliger. Bei dem verhältnismäßig großen Einzugsbereich der 37 Teilnehmer nahm die Anfahrt der Zusteige-Punkte etwas Zeit in Anspruch, aber um 5.30 Uhr begann die Reise über Regensburg, Passau quer durch Österreich; leider immer bei leichtem Dauerregen. In Linz legten wir einen längeren Stopp ein und besuchten den Botanischen Garten und Arboretum (Roseggerstraße 20). Dieser Garten feiert in diesem Jahr sein 60jähriges Bestehen am gegenwärtigen Standort. Er umfasst ein Gelände von 4,2 ha und kultiviert ca. 10.000 Arten. Die Führung war bereits organisiert und wurde freundlicherweise von Herrn Kienbickl übernommen. Am Eingang begrüßten uns alte, in voller Blütenpracht stehende Tulpenmagnolien und viele prächtig bunte Frühjahrsblüher. Der Kulturschwerpunkt in der Gewächshausanlage liegt bei Orchideen und Kakteen, so dass wir eine überzeugende Kollektion zu Gesicht bekamen. Die Kameras klickten aber bereits im ersten Tropenhaus, da  die verhältnismäßig unbekannte, verholzende, meterlange Schlingpflanze Strongylodon macrobotrys (Jadewein), ein Schmetterlingsblütler aus den Regenwäldern der Philippinen, ihre künstlich wirkenden, zahlreichen türkis-jade-minzgrün gefärbten Einzelblüten in langen Rispen zeigte. Verständlicherweise hielten sich die Mitglieder am längsten in den Orchideenhäusern auf, in denen viele interessante Arten (z.B. relativ selten zu sehende  blattlose Orchideen, sehr schön blühende Phragmipedien) beeindruckten. Bemerkenswert war auch die Sammlung rarer Karnivoren wie Pinguicula-Arten (Fettkräuter) von Originalstand-orten in Mexiko. Leider drängte die Zeit und wir mussten kurz nach 14.00 Uhr weiter fahren. Vorbei ging es an Wien, bis wir schließlich die ungarische Grenze überquerten. Nach kurzem Pausenstopp erreichten wir über Györ unser Drei-Sterne-Ibis Aerea-Hotel in Budapest gegen 20.30 Uhr. Kurz vorher hörte zu unserer Freude der Regen auf. Etwa 940 km Autobahnen und Landstraßen lagen hinter uns! Erst nach dem späten Abendessen konnten wir einchecken und waren froh, die vom langen Sitzen strapazierten Beine ausstrecken zu können.

Der nächste Morgen bescherte uns auf der Fahrt zum Kongress-Center einen strahlend blauen Himmel.
Ausstellung und wissenschaftlicher Kongress wurden von der Magyar Orchidea Társaság (Ungarische Orchideen Gesellschaft) mit ihren rund 300 Mitgliedern nach Beratung mit der Deutschen Orchideen Gesellschaft (DOG) organisiert. Von offizieller Seite wurden mehr als 100 Aussteller und angemeldete Teilnehmer des wissenschaftlichen Teils aus 17 Ländern gemeldet.
Nach Abschluss des Kongresses am Sonntag wurden - leider gegenüber den Erwartungen - nur 12.000 Besucher gezählt, viel zuwenig für einen finanziellen Ausgleich der Unkosten!

Beim Erreichen des Gebäudes um 10.00 Uhr bildeten sich bereits Schlangen von interessierten Ausstellungsbesuchern. Nach Eintritt konnten die 13 Ausstellungs- und 12 Verkaufsstände in der großen zentralen Halle im Eingangsgeschoss allein, zu zweit oder in Grüppchen erobert werden. Es stand allen frei, zwischen zwei Bus-Rückfahrtszeiten zu wählen: 15.00 oder 17.30 Uhr. Manche waren auch an den Vorträgen des Wissenschaftlichen Kongresses interessiert, die in der 3. Etage des Centers, im sogenannten Melbourne-Saal gehalten wurden. Problemlos gelang es, von der Ausstellungshalle per Fahrstuhl in die oberen Etagen zu fahren und ohne, wie vorab befürchtet, Sonderkosten tragen zu müssen, an den Vorträgen teilzunehmen. Nach der Eröffnung um 10.00 Uhr dauerten diese bis 16.00 Uhr mit kurzer Mittagspause. Offizielle Kongresssprache war Englisch, was viele leider von einer Teilnahme abhielt. Die Themen waren weit gestreut. Besonders gut kamen an diesem Freitag die Vorträge aus Mexiko (Lonzano und Menchaca) sowie aus Südafrika (Tibbs) an. Wer den späteren Bus benutzte, konnte sich nach Ende des ersten Vortragstages erneut in der Ausstellung umsehen, fotografieren und noch manchen Bekannten treffen.
Nach Eintritt und dem ersten flüchtigen Überblick waren die meisten von uns etwas enttäuscht, wirkte in diesem Moment die große Halle doch etwas leer. Beim intensiven Umherschauen entdeckte man allerdings manche Rarität und empfand auch einige Ideen der ungarischen Raumgestalter als originell und von deutschen Ausstellungen her ungewohnt. Natürlich sind die Geschmäcker immer verschieden! Verdientermaßen wurde nach Meinung vieler Besucher ein ungarischer Stand als bester ausgezeichnet, der ein altes Häuschen, überreich gefüllt mit Orchideen, darstellte, umgeben von einem kleinen Garten, in dem auch ein altes Mofa am Zaun lehnte. Unter den Schauständen müssen unbedingt die italienischen Aussteller Associazione Italiana di Orchidologia und Il Sughereto Italia erwähnt werden, die manche seltene Art, z.B.  Angraecum viguieri, Masdevallia impostor, Robiquetia merrillii, Trichotosia vulpina oder Ida longipetala, präsentierten. Bei Akerne Orchids (Belgien) konnte man neben attraktiven Pleione-Sorten auch das relativ selten gezeigte einblütige Cymbidium goeringii mit grün-weißen Blüten bewundern. Bei der mittelfränkischen Spezialgärtnerei Currlin Orchideen stach ein schön gefärbtes Paphiopedilum bullenianum heraus, bei Kopf Orchideen ein ungewöhnlich vielblütiges Arpophyllum giganteum sowie bei Orquídeas de Ecuador Cyrtadilum macranthum, eine mehrere Meter lange, schlingende, epiphytische Orchidee ähnlich Oncidium.
Auch die Verkaufsstände waren dicht umlagert. Mancher Teilnehmer fand hierbei seine Favoriten. Unter den Anbietern, darunter auch mehrere deutsche Firmen, hoben sich durch zahlreiche ungewöhnliche Hybriden von Cattleya mit ihren Verwandten Brassavola, Laelia, Encyclia und Epidendrum Yih Cheng Orchids (Taiwan) ab. Bis zur Heimfahrt hatte deshalb unser Fahrer tüchtig zu tun, um notwendige Kartons für einen problemlosen Transport der erstandenen Schätze zu organisieren!
Nach dem Abendessen, wiederum im Hotel eingenommen, stand eine Weinverkostung im Stadtzentrum auf dem Programm. Diese Adresse sowie einen geeigneten Parkplatz zu finden, erwies sich als etwas schwierig. In den 120 Jahre alten Kellerräumen wurden 4 verschiedene Weine (Rot, Weiß, Rosé und Tokajer) von freundlichen, allerdings kaum Deutsch sprechenden Kellnern serviert. Die Stimmung wurde im Verlaufe des Abends immer gelöster und fröhlicher, ein typischer Effekt solcherart Veranstaltungen. Demzufolge blieben wir auch nach Rückfahrt in der Eingangshalle des Hotels in lockerer, feucht-fröhlicher Runde zusammen, zumal es einen Geburtstag zu feiern gab.

Der zweite Budapester Tag begann nach dem Frühstück mit einer mehrstündigen Stadtrundfahrt mit verschiedenen Ausstiegen, leider bei kühlem, manchmal regnerischen Wetter. Die Fotografen waren davon doch etwas enttäuscht. Budapest ist mit seinen reichlich 1,7 Millionen Einwohnern als Hauptstadt die größte Stadt Ungarns und eine der größten Europas. Als Reiseführer fungierte für einige Stunden der deutschsprechende Ungar Ferenz (Franz) Drescher, der durch sein vielseitiges Wissen zur alt- und neuzeitlichen Historie, aber auch Kultur und Politik des ungarischen Volkes zu überzeugen verstand. An wichtigen Sehenswürdigkeiten stiegen wir aus und gingen zu Fuß. Zuerst besichtigten wir im Stadtteil Pest, nachdem wir, vorbei am Zoologisch-Botanischen Garten, das Stadtwäldchen durchfahren und dabei auch das Mahnmal in Gedenken an den 1965iger Aufstand erblickten, den Heldenplatz. Im Jahre 1896 anlässlich des sogenannten Millenniums errichtet, wird er zentral von einer 36m hohen Säule, gekrönt von der Figur des Erzengels Gabriel, dominiert. Am Fuße befinden sich 7 Reiterstatuen ehemaliger Stammesfürsten. Der Abschluss des Platzes wird von einer halbkreisförmigen Doppel-Kolonnade gebildet, in der zwischen den Säulen 13 Statuen ungarischer Herrscher sowie weiterer bekannter Persönlichkeiten der wechselvollen Geschichte des Landes platziert sind. Rechts und links des Platzes befinden sich die im klassizistischen Stil errichtete Kunsthalle und das Museum der Bildenden Künste.
Über die Elisabethbrücke gelangten wir in den Stadtteil Buda und erstiegen hier den Burghügel Vár mit seinen vorrangig von der Gotik geprägten Gebäuden, eine historische Anlage, die seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit zählt. Am bekanntesten sind zweifellos die im neoromanischen Stil erbaute Fischerbastei sowie die Matthiaskirche (auch Elisabeth- oder Krönungskirche genannt) mit gotischen und Renaissance-Elementen über Resten einer romanischen Basilika. Von hier oben hatte man einen bemerkenswerten Blick auf die Altstadt Budas und den gegenüberliegenden Stadtteil Pest, den wir gerade durchfahren hatten, mit dem felsigen Gellertberg und dem Parlamentsgebäude. Die Donau teilt die beiden Stadtteile. Sie wird von 9 Brücken überspannt, von denen die Kettenbrücke nicht nur als älteste (1839-1849 erbaut), sondern auch als schönste und bekannteste gilt.
Zum Abschluss unserer Stadtrundreise besuchten wir noch kurz die sehenswerte Zentrale Markthalle, in den Jahren 1894-1897 dreigeschossig und in Stahlkonstruktion errichtet, in der die Meisten von uns einen kleinen Imbiss einnahmen. Dafür hätte man gern etwas mehr Zeit gehabt, so fantastisch muteten in ihren Farben, Gerüchen und Geräuschen die vielen, eng aneinander klebenden Stände mit Lebensmitteln (vor allem Gemüse und Gewürze), Fleisch, Souvenirlädchen, Textilständen und Bistros an. Aber die Zeit drängte. Um 13.00 Uhr erwartete uns bereits eine einstündige Flussfahrt auf der Donau, an der man nochmals, diesmal vom Wasser aus, die imposanten Gebäude, Felsen und Brücken der Stadt erleben und fotografieren konnte. Leider nieselte es wieder.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Einige besichtigten zu Fuß die Innenstadt, andere wünschten sich einen Besuch des im Jahre 2000 errichteten Ozeanariums auf einer Fläche von rund 3000 m2 inmitten eines riesigen Einkaufszentrums, andere erholten sich bei einem wohlschmeckenden Kaffee. Um 17.00 Uhr ging es zurück ins Hotel. Es blieb wenig Zeit zum Entspannen, denn bereits um 19.00 Uhr stand ein Folkloreabend mit Essen und (etwas) Weintrinken in der Borkatakomba Étterem auf dem Programm. Begrüßt wurden wir mit einem Aprikosenschnaps und hausgemachten Pogatschen, einer typisch ungarischen Spezialität. Von außen erschien das Gebäude ziemlich unscheinbar, von innen aber überraschenderweise sehr ansprechend, mit vier langen Bogenhallen, eine davon mit nachgebauten Weinfässern für kleine Gruppen oder Pärchen. In den übrigen Hallen saßen alle Besucher, meist Reisegruppen, dicht bei dicht gedrängt. Die Stimmung erreichte schnell wieder einen feucht-fröhlichen Pegel, diesmal allerdings mehrsprachig. Auf einer kleinen Bühne wurde ein temperamentvoller Mix aus typischen Volkstänzen und zündender Zigeunermusik (teilweise unter Einbeziehung des Publikums) bei einem traditionellen ungarischen Menü geboten. Nach 22.00 Uhr ging es ins Hotel zurück, wo ein Teil Standhafter noch bis kurz nach Mitternacht in heiterer  Stimmung zusammenblieb.

Am nächsten Morgen begann der Start zur Heimfahrt erst 8.30 Uhr, da unserer Fahrer aus Sicherheitsgründen seine geforderten Freistunden strikt einhalten musste. Als Strecke wurde diesmal nach Überquerung der Grenze die Slowakei (vorbei an Bratislava) und Tschechien (vorbei an Prag) gewählt. Obwohl sie dadurch nur ca. 780 km betrug, verkürzte sich die Fahrzeit aufgrund der abschnittsweise sehr desolaten Autobahnen leider nicht. In Reitzenhain überquerten wir im Kammbereich des kühl-nebligen Erzgebirges bei etwa 750 m Höhe die tschechisch-deutsche Grenze. Weiter ging es in Richtung Chemnitz, dann über Zschopau, Oelsnitz, Schmölln bis nach Zwickau, wo die letzten gegen 21.15 Uhr ausstiegen. Mancher hatte noch einen längeren Heimweg per PKW vor sich.
Vier unvergessene, erlebnis- und bildungsreiche Tage, prall gefüllt von früh bis abends, lagen hinter uns. Der Vorsitzende Arndt Liebig bedankte sich vorher im Namen Aller sowohl beim Organisator als auch beim umsichtigen Fahrer dieser Reise.
Der nächste 16. Europäische Orchideenkongress wird, allerdings erst in drei Jahren, also 2015 in Wien (Exhibition & Congress Center) stattfinden! Ein konkretes Datum steht noch nicht fest.


Dr. Helga Dietrich (als Gast)

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