Sommerreise 2013

Bericht über die Sommerreise des „Vereins der Orchideenfreunde Zwickau e.V.“ vom 6. - 7. Juli 2013 ins Berchtesgadener Land

Wie in jedem Jahr plante die Zwickauer Orchideengruppe auch für 2013 einen Ausflug zu bekannten Orchideengärtnereien des In- und nahen Auslandes. Die Wahl fiel diesmal auf die bayrischen Gärtnereien CRAMER in Bischofswiesen/Strub bei Berchtesgaden sowie GLANZ in Unterwössen bei Reit im Winkl. Die Haupt-Organisation der Tour übernahm in bewährter Weise Helmut DIETEL (Oelsnitz). Allen 36 Mitfahrenden und dem Chauffeur war bewusst, dass die Distanzen von Sachsen und Thüringen nach dem Südzipfel Oberbayerns mit reichlich 500 km pro Strecke an einem Samstag und Sonntag sowie einem vorgegebenen Programm zeitlich ein Wagnis bildeten sowie eine stabile Konstitution und Disziplin erforderten. Dafür stand aber, wie bereits im Vorjahr bei der Fahrt zum 15. Europäischen Orchideenkongress in Budapest, ein komfortabler und gut klimatisierter Setra-Bus des Oelsnitzer Busunternehmens Scheibner-Reisen zur Verfügung. Zur Freude aller damals Mitfahrenden konnten wir auch den gleichen, beliebten Fahrer Christian RIEDLINGER begrüßen. Wie nicht anders erwartet, erwies er sich auch auf dieser Fahrt als immer freundlich gestimmt, absolut umsichtig und professionell fahrend, unterwegs manche Sehenswürdigkeit der jeweiligen Gegend erklärend, aber auch in den Pausen uns zügig mit Getränken, Kaffee und/oder Würstchen versorgend. Da in Rheinland-Pfalz und im Saarland gleichzeitig die Sommerschulferien begonnen hatten, waren alle Autobahnen (A9; A8 München-Salzburg, Bad Reichenhall) und Rastplätze proppenvoll und verlangten von ihm artistisches Geschick, um fast ausweglos scheinende Situationen unfallfrei zu meistern, wobei uns mehrmals der Atem stockte und bei gelungenen Aktionen zu Beifall anregte. Das Wetter spielte auch mit: es war sonnig und warm, nur im Berchtesgadener Zipfel erreichten uns ab und zu wenige Tropfen. Die für diese Region von den Meteorologen angekündigten heftigen Regenfälle blieben aus, auch wenn manchmal am Himmel dunkle Wolken drohten.

Erst am frühen Samstagnachmittag erreichten wir Oberbayern. Zuerst ging es zur nahen, nur 5 km von Berchtesgaden entfernten, im Jahre 1947 vom Vater Gert gegründeten Gärtnerei Giselher, Elke und Alexander CRAMER (Zum Steiner 11, 83483 Bischofswiesen, Telefon: 08652/944903, www.cramer-orchideen.de), die zu den bekanntesten in Deutschland zählt, und wo in diesem Jahr bereits seit Freitag der Sommertreff der Deutschen Orchideengesellschaft (DOG) vom 5. - 7 Juli stattfand. Dabei wurden nicht nur Vorträge gehalten (leider schon am Samstagvormittag durch Dr. Holger PERNER über Cypripedium und Giselher CRAMER über Taiwan), sondern auch die Tischbewertung auszeichnungswürdiger Orchideen vorgenommen, bei der Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben werden. Dafür kamen wir aber leider zu spät bzw. fanden kaum Zeit, weil es so viel zu sehen und zu bereden gab. Denn an diesen Tagen öffnet die jeweilige Gärtnerei ihre Gewächshäuser für ein breites Publikum mit Erfahrungsaustausch, Beratung und Verkauf. Die Besucher konnten bei zwischenzeitlicher Ermüdung Kaffee, Tee oder andere Getränke, Kuchen und Salzbrezeln erwerben und sich dabei unterm Schatten einiger Zelte etwas erholen. Man lädt aber auch einige wenige weitere Orchideengärtnereien ein, die ebenso Pflanzen ausstellen und verkaufen können (z.B. Fa. Wössner Orchideen Blumen GLANZ www.woessnerorchideen.de , Fa. Orchideengarten KARGE www.orchideengarten.de , Fa. Lucke vertreten durch Inhaber Jörg Frehsonke www.orchideen-lucke.de . Die gärtnerische Vorliebe Giselher CRAMER’s gilt vor allem den Gattungen Phalaenopsis und Paphiopedilum. Am Freitagabend wurde beispielsweise schon eine neu gezüchtete Sorte der Firma Phalaenopsis 'Georg Grabner' getauft, nach dem dortigen Landrat, einem Pflanzenfreund, benannt. Außer Zimmer- und Freiland-Orchideen (sowohl Naturformen als auch Hybriden) bietet die CRAMER-Gärtnerei ebenfalls winterharte Stauden, Sträucher (viele Rosen, Hydrangea, Spiraea u.a.), Obstgehölze und alpine Pflanzen an. Vieles blühte davon aktuell noch in den Freianlagen. Die Firma ist dafür bekannt, dass ein Großteil ihres Angebotes selbst produziert wird und man eben auch züchterisch tätig ist. Nachdem wir alles verstaut hatten, fuhren wir um 17.30 Uhr nach Berchtesgaden (Marktgemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land). Der Ort liegt inmitten der landschaftlich reizvollen und als touristisches Reiseziel sehr beliebten Berchtesgadener Alpen, die geologisch aus Ramsaudolomit und Dachsteinkalk gebildet sind. Im 3-Sterne-Familienhotel „Zum Grünberger“, in Nähe des Hauptbahnhofes in etwa 520 m üNN gelegen, fanden wir unsere Unterkünfte (Hansererweg 1, 83471 Berchtesgaden, Telefon: 08652 – 976590, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.hotel-gruenberger.de). Daneben floss gleich die milchig schäumende Berchtesgadener Ache, unweit des Hotels aus der Vereinigung der Königsseer Ache mit der Ramsauer Ache entstanden. Leider hatte es schon Stunden vorher beim telefonischen Ankündigen unseres Eintreffens etwas Aufregung gegeben, weil statt 37 Personen nur 33 gemeldet wären und demzufolge drei Einzelzimmer fehlen würden. Aber nach mehrmaligem Palaver und Hin- und Hergeschiebe von Namen bekam Jeder schließlich doch noch ein Bett für die notwendige Nachtruhe! Nach kurzer Zeit, die aufgrund von Zimmersuche in zwei Häusern und Gepäck auspacken benötigt wurde, fanden wir uns 19.00 Uhr in einem separaten Raum wieder ein und wurden von Wirtin und Küchenchef freundlich begrüßt. Das reichhaltige Abendbüffet mit regionalen Spezialitäten ließ keinen Wunsch offen: ob Suppe (klare Gemüsebrühe mit Leberknödel), mehrere rohe und warme Salate, Schweine- und Putenfleisch, Wurst-Aufschnitt, Fisch, Kartoffel-Kreationen, Süßspeise, Schwarz- und Weißbrot, Salzbrezeln - alles war reichlich vorhanden und wurde ständig nachgefüllt. Großen Anklang, vor allem beim männlichen Geschlecht, fanden die herzhaft kross gebratenen Schweinehaxen. Das Büffet war im Fahrpreis inbegriffen, alkoholische und nichtalkoholische Getränke wurden selbst bezahlt.

Der weitere Abend-Verlauf führte allerdings zu einigen Diskussionen. Während etwa die Hälfte unbedingt noch den Königssee mit seinem unverkennbaren Watzmann-Massiv kurz vorm Dunkelwerden aufsuchen wollte, blieb der Rest lieber im Hotel in gemütlicher Runde zusammen sitzen. Mehrere Taxis wurden bestellt, um den berühmten, langgestreckten Königssee (7,2 km x 1,2 km) zu erreichen, der fjordmäßig in steile Alpenpartien eingebettet ist. Er gilt als einer der saubersten (Trinkwasserqualität!), nährstoffärmsten und tiefsten Seen (Maximum: 190 m) Deutschlands! Im See kommen Forellen und Saiblinge vor, die berufsmäßig gefischt und als leckere lokale Speise geschätzt werden. Der in 603 m üNN gelegene See ist Teil des Nationalparkes Berchtesgaden, der im Jahre 1990 von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgewiesen und im Jahre 2010 zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert wurde. Man spazierte in Seenähe, bewunderte den Großen Watzmann-Gipfel mit seinen Schnee- und Eisfelder-Resten (höchste Bergwand der Ostalpen), daneben den Kleinen Watzmann („Watzmannfrau“) und seine „Kinder“. Oder man genoss einfach nur zufrieden das bekannte Motiv, von vielen Malern verewigt, und die Ruhe, die Wasser und Berghänge ausstrahlten. Etwas unerwartet waren zu dieser Zeit mitten im Hochsommer nur relativ wenige Besucher noch unterwegs. Während einige Unerschrockene von uns später zum Hotel zurückwanderten, orderten die Übriggebliebenen drei Taxis. Beim Warten konnte man ebenfalls noch in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne das nur durch einen Tunnellift erreichbare, in 1834 m Höhe befindliche Kehlsteinhaus („Eagles Nest“) auf dem Obersalzberg (heute Berggaststätte, früher eines von Hitler`s Lieblings-Domizilen) per Fernrohr erblicken.

Zurückgekehrt ins Hotel trafen sich schlíeßlich fast alle wieder auf einer, der rauschenden Ache nächstgelegen Terrasse. Bei Bier, Wein, Schnaps und Mineralwasser wurde viel geklönt, gewitzelt und gelacht. Glühwürmchen umschwirrten uns, auf den stadtnahen Bergspitzen konnte man hellerleuchtete Gebäude bewundern. Schließlich suchten nach und nach alle ermüdet ihre Schlafstätten auf!

Am nächsten Morgen (Sonntag) war für 8.00 Uhr das Frühstück vereinbart, eine Zeit, die für die Frühaufsteher eindeutig zu spät war. So gingen Einige vorher noch in Hotelnähe im Ort spazieren oder genossen schon eher den duftenden und wohlschmeckenden Kaffee. Wieder war das Büffet reich gedeckt und süße Bestandteile um Obstsäfte, Müsli, Quarkspeisen und Käse erweitert. Schon vor den vereinbarten 9.00 - Abfahrt fanden sich die Meisten am Bus ein. Nachdem das Gepäck verstaut war, ging es Richtung Reit im Winkl. Familie Peter und Christel TIETZ, die im Vorfeld mit Gleichgesinnten für das aktuelle Ziel plädierten, hatten „Christian“ überzeugt, nicht die schnelle, aber eintönige Autobahn zu wählen, sondern uns allen einen großen Wunsch zu erfüllen und die etwa 70 km lange Alpenstraße zu wählen, wo sich allerdings Serpentine an Serpentine reihte und deshalb fahrerisch viel Aufmerksamkeit erforderte. Unsere „Kenner“ des Gebietes halfen dabei beim schnellen Finden der Fahrstrecke, vorrangig über die B305. Landschaftlich bedeutete diese Zwischentour einen zweifelsfreien Höhepunkt der bisherigen Fahrt: bizarr geformte Alpengipfel (u.a. Zahmer und Wilder Kaiser) reihten sich aneinander, darüber weiße Kumuluswolken am blauen Himmel, dunkle Nadelwälder wechselten mit saftigen Wiesen ab, auf denen gemächlich braun-weiß-gefleckte Kühe weideten, Glocken tragend. Man konnte sich wie bei „Heidi“ fühlen!

Unweit von Reit im Winkl (Landkreis Traunstein), einem bekannten Wintersport- und Höhenluftkurort, befindet sich in nordwestlicher Richtung in Unterwössen/Strub die Gärtnerei „Blumen-Glanz“, von Franz und Maria GLANZ seit Jahrzehnten erfolgreich geleitet und bei Orchideenkennern sehr geschätzt (Hauptstraße 28, 83246 Unterwössen, Telefon: 03641-8350, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.woessnerorchideen.de). Auf 800 m2 beheizbarer Gewächshausfläche sind vor allem selbst gezogene Orchideen untergebracht. Von den materiellen Schäden, die der Familienbetrieb im Sommer 2012 durch einen zwanzigminütigen schweren Hagelschauer mit Körnern bis zu 5 cm Durchmesser erlitt, ist fast nichts mehr zu sehen. Schnell wurde im Vorjahre alles wieder hergerichtet, zumal damals auch erfreulicherweise viele freiwillige Helfer, vor allem aus dem Ort, mit anpackten. Das Ehepaar hatte sich mit uns verabredet, obwohl sie nachmittags schon wieder in Berchtesgaden beim Abschluss der dortigen Bischofswieser Orchideentage erwartet wurden. Nach herzlicher Begrüßung und einer kurzen Einführung in Firmengeschichte und -Mentalität gab es kein Halten mehr. Alle strömten in die einzelnen Gewächshäuser und/oder hatten an die engagierten Besitzer unzählige Wünsche und Fragen, die sachkundig und mit bewunderungswürdiger Ausdauer beantwortet wurden. Das eigene züchterische Werk von Franz GLANZ gilt vor allen den Gattungen Paphiopedilum, Phragmipedium, Cypripedium, Phalaenopsis/Doritis und Cattleya. Im Eingangsbereich der Gewächshäuser war eine beeindruckende Medaillensammlung mit Fotos der betreffenden Sorten und Hybriden ausgestellt. Seit der ersten, bei der Royal Horticultural Society (RHS) registrierten Orchideen-Sorte im Jahre 1991 sind immerhin reichlich 300 entstanden: ein überaus beachtliche züchterische Leistung! Für Kenner der Materie gilt Franz GLANZ als einer der weltbesten Orchideenzüchter! Viele Auszeichnungen gab es auch auf Welt- und Europäischen Orchideenkongressen. Das Firmencredo „Wir verkaufen Qualität in Züchtung und Produktion“ konnten wir nun aus eigener Anschauung bestätigen. Lobenswert auch, dass die Firma keine Geschäfte macht mit - verbotenerweise - aus der Natur entnommenen Orchideen, sondern alle über Samen vorwiegend eigener Gewinnung anzieht und dadurch auch aktiven Orchideenschutz betreibt. Doch nicht nur Orchideen, sondern auch manch andere attraktive Pflanzen für Wohnung, Balkon und Garten konnte man erwerben, z.B. Fuchsien, Knollen-Begonien, Pelargonien, Hibiskus und hübsch blühende einjährige Zierpflanzen. Ein überraschendes Zusammentreffen gab es mit Familie Dr. Holger PERNER, der mit Ehefrau Wenqing und seinen zwei hübschen Töchtern auf Deutschland-Urlaub weilt, aber eben auch mit seinem Samstag-Vortrag zum Gelingen der Bischofswieser Orchideentage beitrug. Fast Jeder Teilnehmer hatte etwas gekauft. Beim Bezahlen war die Schlange groß und die Kartons quollen teilweise über von blühenden und nicht blühenden Pflanzen.

Als alles mühevoll, aber sicher verstaut war, rüsteten wir uns für die Heimreise. Da die Verkehrsmeldungen von allen in Frage kommenden Autobahn-Routen schlimme Staus meldeten, wurde beschlossen, bis Regensburg auf Bundes- und Landstraßen auszuweichen. Als Ziel der knapp 200 km langen ersten Etappe wurde Landshut angepeilt. Aber auch hierbei gab es manche negative Überraschung durch Umleitungen, Straßen-Sperrungen wegen Umzug oder Demo (?) mit hohem Polizeieinsatz bzw. nicht bushöhentaugliche Brücken! Als wir nach Stunden Regensburg erreichten, ging es dann aber auf der A93 bis Nähe Hof und dann auf der E441 allerdings relativ zügig an die letzten rund 230 km. Nachdem in Plauen die Ersten den Bus verließen, wurde Zwickau angepeilt. Hier stiegen die Meisten aus, die Letzten blieben aber im Bus sitzen, da ihr Endziel wie für Bus und Fahrer Oelsnitz/Vogtland bedeutete. Bevor alle auseinandergingen zog der Organisator der Reise Helmut DIETEL ein kurzes Fazit und dankte vor allem unserem nervenstarken Fahrer für seine zweitägige Leistung. An dieser Stelle soll aber auch der Dank an alle ausgesprochen werden, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Reise irgendwie beteiligt waren (z.B. Ideen einbringen, Telefonate führen, Geld kassieren, für gesponsertes Frühstück sowie „schmackhafte“ Getränke bei den Reisestunden oder für angenehme Stimmung sorgten etc.). Eine anstrengende, aber sehr beeindruckende Reise ging damit in den sonntäglichen Abendstunden zu Ende. Mancher hatte allerdings noch eine längere Reise bis zu seinem/ihrem Heimatort vor sich!

 

Dr. Helga Dietrich

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